„Der Mortelbach in Waldheim ist ein ökologisches Wrack“

… so berichtete die Sächsische Zeitung im Januar diesen Jahres. Diese drastische Bezeichnung bringt den Handlungsbedarf am Mortelbach in der Stadt Waldheim auf den Punkt.

Aus fachlicher Sicht lässt sich der Mortelbach als naturfern ausgebautes Gewässer mit beidseitigen Ufermauern, befestigter Sohle sowie regulierter Mittelwasserrinne beschreiben. An den Bach grenzt dichte städtische Bebauung und Infrastruktur. Damit ist nicht nur der ökologische Zustand sehr schlecht. Nach den Hochwasserereignissen 2002 und 2013 sind die Sohle aber auch die Ufermauern in sanierungsbedürftigem Zustand. Teile des Betonverbaus lösen sich und bei weiteren Hochwasserereignissen drohen erhebliche Folgeschäden. Im Zuge der Gewässerunterhaltung versucht die für den Mortelbach als Gewässer II. Ordnung zuständige Stadt Waldheim die schwerwiegendsten Schäden grob auszubessern bzw. deren Ausbauzustand wieder herzustellen. Das kostet Geld und ist nicht gerade nachhaltig.

Mortelbach in Waldheim

“Der Mortelbach in Waldheim ist ein ökologisches Wrack” – der Mortelbach als Kanal in Beton gefasst . Neben einem ungebremsten stark beschleunigten Hochwasserabfluss und damit sehr hohem Schad- und Gefahrenpotenzial bietet der Mortelbach hier keinerlei ökologische Qualität.

Diese Ausgangssituation ist geradezu typisch für eine Vielzahl von urbanen Gewässern. Mit Unterstützung des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sowie dem Bundesforschungsvorhaben „In_StröHmung“ (hier zum Artikel) zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Fließgewässern möchte die Stadt Waldheim nun den Mortelbach sanieren und naturnah umgestalten. Dabei könnte ein schönes Beispielprojekt für die Umsetzung der Strahlwirkungs- und Trittsteinkonzeption in scheinbar hoffnungslosen Gewässerabschnitten entstehen. Schließlich befindet sich oberstrom der Ortslage ein ausgeprägter naturnaher Gewässerabschnitt mit Strahlursprungsfunktion und dauerhaften Besiedlungsbereichen. Noch im Stadtgebiet mündet der Mortelbach in die Zschopau. Dazwischen muss „nur“ die ökologische Durchgängigkeit hergestellt werden. Positive Nebeneffekte der Umsetzung der von Stowasserplan im Herbst 2015 vorgelegten und Ende Januar 2016 im technischen Ausschuss diskutierten Planung sind die Gewährleistung des Hochwasserabflusses, die Erleichterung der Gewässerunterhaltung durch Herstellung von Zugängen zum Gewässer. Nicht zuletzt wird der Mortelbach mit den geplanten Maßnahmen wieder erlebbar und würde zu einer Aufwertung des Ortsbildes führen. Letzte Woche hat nun der Technische Ausschuss der Stadt Waldheim einstimmig die Weichen für eine Umsetzung des Projekts gestellt.

Regelquerschnitt Planung

Beispielhafter Aufbau des Querprofils nach der Umgestaltung des Mortelbaches. In der Draufsicht erkennbar ist die Herstellung einer für den Mittelgebirgsbach typischen alternierenden Abfolge von Schnellen und beruhigten Bereichen. Zur Erleichterung der Gewässerunterhaltung ist gewässerbegleitend ein Pflegeweg vorgesehen.

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Katrin Dachsel

Katrin Dachsel

arbeitet seit 12 Jahren als Projektingenieurin bei Stowasserplan und hat ihren Schwerpunkt bei der Zieldefinition und Pflege von ingenieurbiologischen Bauweisen sowie der Bauweisendarstellung und -systematisierung. Darüber hinaus bearbeitet sie Gewässerentwicklungsplanungen.
Katrin Dachsel

Über Katrin Dachsel

arbeitet seit 12 Jahren als Projektingenieurin bei Stowasserplan und hat ihren Schwerpunkt bei der Zieldefinition und Pflege von ingenieurbiologischen Bauweisen sowie der Bauweisendarstellung und -systematisierung. Darüber hinaus bearbeitet sie Gewässerentwicklungsplanungen.
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